Am 10. März 2026 veröffentlichte das Generalsekretariat der Weltsynode einen Bericht über „die Beteiligung von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche“. Dieser ist von der Studiengruppe 5, die von Papst Franziskus im Anschluss an die erste Generalversammlung der Synode über Synodalität eingerichtet wurde, erarbeitet worden. Die Arbeit der Gruppe war während der zweiten Generalversammlung der Synode im Oktober 2024 Gegenstand erheblicher Kontroversen, weil ihre Arbeit intransparent blieb und die drängende Frage nach der Öffnung des Diakonats für Frauen, die im Rahmen der Debatten auf der Weltsynode ein Thema war, keine Resonanz fand.
Der Abschlussbericht der Studiengruppe 5 stellt die Frage nach der „Beteiligung von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche“ in den Horizont der Erneuerung der Kirche in Orientierung am Grundprinzip der Synodalität. Das bedeutet, dass Verantwortung für die Evangelisierung, Liturgie und Diakonie der Kirche von allen Getauften in gleicher Weise zu übernehmen ist. Das Dokument knüpft an die Erneuerung der Volk-Gottes-Ekklesiologie, die charismatische Struktur der Kirche und das Prinzip der gleichen Würde und Gleichberechtigung aller an, das in die mit dem 2. Vatikanum erfolgte Reform der römisch-katholischen Kirche eingeschrieben ist. Es ist in diesem Sinn in amtstheologischer Hinsicht ein wichtiges und in die Zukunft weisendes Dokument. Die Verdienste von Frauen werden ausführlich gewürdigt, besonders ihr Einsatz in der Gemeindeleitung, inklusive der Verkündigung und Taufbeauftragung vor allem dort, wo sie Lücken ausfüllen, die durch vor Ort nicht vorhandene Priester entstehen. Die Verfasser konstatieren zudem „bei vielen Frauen ein gewisses Unbehagen hinsichtlich ihrer Teilnahme am Leben der Gemeinschaften, denen sie angehören…“ (Teil 2, 3.) Fehlende Gleichberechtigung, Klerikalismus und Machismo werden genannt und dass „das männliche Geschlecht – im Laufe der Geschichte und weit über die Grenzen der kirchlichen Gemeinschaft hinaus – als normativer Bezugspunkt für das Verständnis der Menschheit in ihrer Gesamtheit vorgeschlagen wurde.“ (Teil 2, 4.)
Das Dokument fokussiert vor allem die im Pontifikat von Franziskus neu eingerichteten Laienämter und weist auf die Einbeziehung von Frauen in Leitungspositionen in verschiedenen Dikasterien im Vatikan hin. Auf den Frauendiakonat wird zwar Bezug genommen, jedoch wird auf weitergehende Arbeiten verwiesen – hier werden Türen offen gehalten und nicht geschlossen. Ähnlich wie in dem Anfang Dezember 2025 veröffentlichten Bericht der Kommission, die Papst Franziskus zur Erörterung des Frauendiakonats eingerichtet hatte, werden die kontroversen theologischen Debatten genannt, die vor allem um die geschlechtsbezogene Christusrepräsentanz kreisen.
Sicher ist bedauerlich, dass die Zeugnisse von zu einem Diakoninnenamt berufener Frauen, die aus einigen Ländern als Eingabe an das Dikasterium gesendet wurden, in diesem Papier keinen Niederschlag gefunden haben. Das Netzwerk Diakonat der Frau und weitere Gruppen aus der Weltkirche hatten der Studiengruppe Gesprächsforen angeboten, um authentische persönliche Zeugnisse berufener Frauen zu hören, um diese dann in die Erwägungen mit einzubeziehen. Die Vorsitzende des Netzwerks, Dr. Jutta Mader-Schömer, meint dazu:
„Aus vielen Gesprächen mit berufenen Frauen wissen wir, dass es keineswegs nur Unbehagen ist, sondern schlicht Kränkung, Enttäuschung und Unverständnis, die Frauen aufgrund zahlreicher Zurückweisung ihrer Berufung und Abwertung ihres Engagements empfinden.“
Die Folge davon wird von der Studiengruppe sogar genannt: „In diesem Zusammenhang muss es zu denken geben, dass immer mehr Frauen aller Altersgruppen und in verschiedenen Teilen der Welt sich im Haus des Herrn nicht mehr ‚zu Hause‘ fühlen, sodass sie es ganz verlassen.“ (Teil 2, 5)
Das Dokument der Studiengruppe 5 macht deutlich, dass die synodale Erneuerung der Kirche nicht ohne die Einbeziehung von Frauen und nicht ohne die Erörterung der damit verbundenen amtstheologischen Herausforderungen erfolgen kann. Auf die Notwendigkeit, Frauen weiter in Leitungspositionen der Kirche einzubeziehen und Laien-Ämter – den jeweiligen pastoralen und kulturellen Herausforderungen und der charismatischen Dimension der Kirche entsprechend – einzurichten, weist das Dokument explizit hin. Prof. Dr. Margit Eckholt, Vorstandsmitglied im Netzwerk, hält fest:
„An keiner Stelle wird indes eine Begründung genannt, warum Frauen nicht Christus repräsentieren könnten und auch sonst häufig angeführte Weihehindernisse für Frauen werden nicht erneut aufgegriffen bzw. lediglich in einem Appendix erläutert, und dort werden die kontroversen theologischen Debatten dargelegt. Dadurch werden Türen offen gehalten und weitergehende theologische Diskussionen in internationalen Perspektiven ermöglicht.“
Die Veröffentlichung des Berichts der Studiengruppe 5 ist daher Anlass, erneut an das Schlussdokument der Synode, das Papst Franziskus zum verbindlichen Dokument der Weltkirche erklärt hat, zu erinnern: „Die Frage des Zugangs von Frauen zum Diakonat bleibt offen. Diese Unterscheidung muss fortgesetzt werden.“ Das muss nun geschehen. Sprecht mit den Frauen! Die Sorge, dass noch mehr Engagierte der Kirche enttäuscht den Rücken kehren, ist berechtigt.
Hinweis: Die Pressemitteilung gibt es hier als Download.
Fotoquelle: canva.com