Nachruf Peter Hünermann

Das Netzwerk Diakonat der Frau trauert um sein langjähriges Vorstandsmitglied.

Peter Hünermann wurde am 8. März 1929 in Berlin geboren, am 21. Dezember 2025 verstarb er in einem Pflegeheim in Erligheim bei Ludwigsburg. 

Mit Peter Hünermann verliert die katholische Kirche in Deutschland einen Dogmatiker, der seit Beginn der 1970er Jahre mit großer Weitsicht die systematische Theologie in Deutschland in internationale Bezüge gestellt hat und sie im Dienst der Reformbestrebungen des 2. Vatikanischen Konzils zu einer kritischen Stimme für die katholische Kirche hat werden lassen. 

Nach den ihn tief prägenden Erfahrungen des 2. Weltkriegs und dem Abitur, das er 1949 in Aachen ablegte, entschied er sich bewusst für ein Theologiestudium, das er im Herbst 1949 in Rom aufnahm. Nach der Priesterweihe (1955) und Promotion zum Dr. theol. kehrte er 1958 nach Deutschland zurück. Von 1958 bis 1962 war er als Kaplan und Religionslehrer in Mönchengladbach und Aachen tätig. 

1961–1967 vervollständigte er seine Studien in München und Freiburg i.Br.
Im Herbst 1962, als das Zweite Vatikanische Konzil begann, arbeitete Hünermann an der theologischen Fakultät in Freiburg und bereitete seine Habilitationsschrift vor.

Nach kurzer Tätigkeit als Universitätsdozent an der Fakultät in Freiburg wurde Hünermann 1971 auf den Lehrstuhl für Dogma­tik an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster berufen, 1982 dann auf den Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Tübingen, den er bis zu seiner Emeritierung 1997 innehatte. Er blieb der Tübinger theologischen Fakultät auch nach seiner Emeritierung durch Forschung und Lehre eng verbunden.

In seinen Freiburger Jahren lernte er Georg Hüssler kennen, den Generalsekretär und späteren Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes (1969-1991) und von 1975-1983 Präsidenten von Caritas Internationalis. Austausch und lebenslange Freundschaft mit Georg Hüssler bestärkten ihn in seiner Überzeugung von der Notwendigkeit einer diakonischen Kirche. Schon früh setzte er sich in Deutschland, aber auch auf internationaler Ebene für die Stärkung des Diakonischen ein.

Peter Hünermann hat sein theologisches Denken aus den vielfältigen Bezügen weiter entwickelt, in denen er gestanden ist: im lebendigen Gespräch mit den zahlreichen Schülern und Schülerinnen, die aus allen Weltkontexten zunächst an die Fakultät in Münster, dann in Tübingen kamen, im Gespräch mit Kollegen in der Theologie und anderer Fachdisziplinen und mehrerer internationaler Organisationen, in denen er oft leitend involviert war. 

Theologie steht für Peter Hünermann im Dienst der Kirche, die sich als „Sakrament des Heils für die Völker“ versteht, einer Kirche in der Vielfalt der Kulturen und Ortskirchen, und so hat er die gesellschaftspolitischen und kirchlichen Aufbrüche in den verschiedenen Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens von Beginn an mit Interesse begleitet. Daran orientierte er sich in Forschungsprojekten und Lehre.

Im Dienst der Reform der Kirche stehen auch die wissenschaftlichen Arbeiten zum Frauendiakonat, die Peter Hünermann bereits seit Mitte der 1970er Jahre vorgelegt hat. Der Diakonat der Frau, die Frage nach der Berufung von Frauen und die gerechte Teilhabe von Frauen am Dienst und Leben der Kirche wurde zu einem Thema, das ihn sein ganzes Leben nicht mehr losließ. 

Hünermann war 1973 neben Yves Congar und Herbert Vorgrimler einer der Gutachter zum Diakonat der Frau für die Würzburger Synode. In seinem Gutachten fasste er seine Ergebnisse zusammen: „...so ist bei der heutigen Umgestaltung und Differenzierung kirchlicher Dienste die Neubelebung eines Amtes für die Frau unabdingbar.“ Hinsichtlich der Zulassung von Frauen zum Diakonat „bestehen nicht die geringsten theologischen Bedenken“. „Der Diakon und die Diakonin haben Aspekte der Sendung Jesu Christi zum Tragen zu bringen, welche der Gemeindeleiter, der Presbyter, in seiner Funktion so nicht zur geschichtlichen Wirksamkeit bringen kann.“ Im Hinblick auf die große Zahl diakonisch engagierter Frauen stellte er fest: „Hier ist der heutigen Kirche offensichtlich durch die Fügung Gottes ein Potential an authentischen Berufungen geschenkt, an dem die Verantwortlichen in der Kirche nicht achtlos vorüber gehen können.“ 

Hünermann war maßgeblich beteiligt an der Entstehung, Vorbereitung und Durchführung des wegweisenden internationalen Fachkongress zum Diakonat der Frau. Die Idee dazu war 1995 entstanden.  Er beschrieb es so: „1995 ein Anruf von Ordinariatsrätin Therese Wieland, die 1992 von Bischof Walter Kasper zur ersten Ordinariatsrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart ernannt worden war und damit zur ersten Frau in einer Kirchenleitung überhaupt. Sie ist völlig niedergeschlagen, dass sich im Hinblick auf die Stellung der Frau in der Kirche nichts bewegt. Im anschließenden Gespräch schmieden wir zusammen den Plan, einen internationalen Fachkongress in Stuttgart zu halten.“ 

Dieser Kongress fand 1997 unter der Überschrift „Diakonat. Ein Amt für Frauen in der Kirche – Ein frauengerechtes Amt?“ vom 1. bis 4. April in der katholischen Akademie Stuttgart-Hohenheim statt. An diesem Kongress wirkten neben international renommierten Theologinnen und Theologen auch zahlreiche Interessierte, Vertreterinnen aus den Frauenverbänden und den diözesanen Initiativen und Arbeitskreisen mit. Dem von Hünermann maßgeblich verantworteten Kongress gelang es, in Hauptreferaten und Foren theologische Forschung und Erfahrung der Praxis zusammen zu bringen und durch eine Resolution der Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkrete Schritte zur Verwirklichung des Diakonats der Frau einzufordern. 

Unmittelbar im Anschluss an den Kongress, am 5. April 1997, wurde das „Netzwerk Diakonat der Frau“ formal gegründet und die Satzung verabschiedet. Hünermann gehörte zum Gründungsvorstand. Dem Vorstand des Netzwerks gehörte bis September 2025 an.

An der Konzeption und Durchführung der ersten beiden vom Netzwerk durchgeführten Diakonatskreise 1999-2002 und 2003-2006 hatte Hünermann intensiv und richtungsweisend Anteil. Er führte die Bewerbungsgespräche. Er war Referent mehrerer Wochenenden. Und er führte zusammen mit Sr. Basina Kloos BMVA die abschließenden Prüfungsgespräche durch. 

Viele der Absolventinnen, vor allem des ersten Diakonatskreises, fühlen sich ihm bis heute persönlich und dankbar verbunden. 

Es gelang ihm, den damaligen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg als Schirmherrn und die damalige Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg Anette Schavan als Schirmfrau für beide Diakonatskreise zu gewinnen. 

Hier und an vielen anderen Punkten zeigt sich sein diplomatisches Geschick, seine oft augenzwinkernde Klugheit und Fähigkeit, Vatikanische Texte zu lesen und zu interpretieren. 
Ohne diese Fähigkeit hätte das Netzwerk seine Arbeit in kirchenpolitisch schwierigen Zeiten nicht so erfolgreich fortführen können. 

Doch Peter Hünermann war auch immer bereit, Klartext zu sprechen. 

Als während eines Studientags während der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 20. Februar 2013 Kardinal Walter Kasper vorschlug, Frauen durch eine Benediktion zum Amt einer Gemeindediakonin zu bestellen, erklärte Hünermann in einer viel beachteten Pressemitteilung des Netzwerks: „Die Argumente für eine „theologische Unmöglichkeit“ der Weihe von Frauen zu Diakoninnen sind theologisch nicht haltbar.“  Sie beruhten wesentlich auf der mittelalterlichen Argumentation des Thomas von Aquin. „Dieses veraltete und diskriminierende Frauen- und Menschenbild wurde von den Vätern des II. Vatikanischen Konzils ausdrücklich zurückgewiesen... Das Netzwerk Diakonat der Frau hält somit an seiner Forderung der sakramentalen Diakoninnenweihe fest und lehnt die Einrichtung eines diakonalen Sonderamts für Frauen entschieden ab.“

Im Alter wurde Hünermann immer kämpferischer und klarer. So erklärte er 2021 in einem Interview: „Es ist ein Witz, dass etwa 80 Prozent der diakonisch-karitativen Arbeit von Frauen geleistet wird – Frauen aber nicht Diakoninnen werden können".

Und 2025 bekräftigte er: „Ja, Frauen sollten zu Diakoninnen geweiht werden. Dieses sakramentale Amt sollte endlich für Frauen geöffnet werden. Wir warten schon zu lange darauf. Ich weiß, dass kirchliche Entscheidungen langsame Prozesse sind. Es braucht viel Geduld.“ „Ja, Frauen dürfen Klerikerinnen sein. Frauen heute noch immer von diesem kirchlichen Amt auszuschließen, ist eine Dummheit. Es gibt kein theologisches oder biblisches Fundament dagegen.“ 

Auf die Frage, ob er den Frauendiakonat noch erleben würde antwortete er mit 92 Jahren: „Das würde mich sehr beflügeln!“

Leider war es ihm nicht vergönnt. Prof. em. Dr. Dr. hc mult Peter Hünermann, Vorstandsmitglied des Netzwerks Diakonat der Frau, starb am 21. Dezember 2025. 

Wir werden seine großartige Lebensleistung auch im Bemühen, die diakonische Kirchenentwicklung durch die Weihe kompetenter berufener Menschen voranzubringen - seien es Männer oder Frauen - immer in Ehren halten. In diesem Sinne werden wir uns weiter für die Öffnung des sakramentalen Amtes, unabhängig vom Geschlecht, stark machen. 

Peter Hünermann möge schauen, was er ein Leben lang geglaubt und verkündet hat: das ewige Leben in Gottes grenzenlosem Frieden. 

R.I.P. 

Margit Eckholt / Jutta Mader-Schömer / Irmentraud Kobusch

Hinweis: Die Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.

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